FRIEDL mit der leeren Tasche

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FRIEDL mit der leeren Tasche

Ein Wandertheater von Vent zum Marzellferner (Ötztal/Tirol) – 9. bis 20. September 2015, von der Früh bis am Abend.

Eine Gruppe von fünfzig Leuten wandert von Vent durchs Niedere Tal zum Marzellferner und zurück. Auf diesem atemberaubend schönen Weg erleben sie die Geschichte von Friedrichs Flucht als ein alpines Drama an Stationen in der weiten Landschaft. Knöpfe im Ohr vermitteln Text und Musik. Geschichte wird gemacht.

Friedl sucht das Weite

Herzog Friedrich IV von Tirol muss ein guter Mensch gewesen sein. Scheinbar erlangen nur besonders gute oder extra schlechte Charaktermenschen geschichtliche Unsterblichkeit, werden zum Mythos. Friedl ist so ein Tiroler. Er setzte auf den falschen Papst – ja, im Jahr 1406 gab es diesbezüglich noch Optionen. Johannes der XXIII wird in Konstanz demontiert. Friedl, als Gönner und Förderer wurde daraufhin mit Reichsacht belegt. Beinahe wäre er gefangen geworden, Kirchenbann gab es für Friedl als Zugabe zur Höchststrafe für einen Adeligen. Auf der Flucht findet er auf den Rofenhöfen als Knecht Versteck und Unterschlupf. Mehrmals versucht er über das Niederjoch zu fliehen. Friedl suchte das Weite der Bergtäler, der Gipfel und Jöcher. Meran ist Tiroler Regierungssitz. Nachdem die Flucht geglückt ist verlegt er den Sitz der Residenz in den Norden, nach Innsbruck, in die Nähe des Silbers und des Salzes. Dank seiner Allianzen mit Bauern und Gewerbetreibenden erlebt Tirol einen nie dagewesenen wirtschaftlichen Aufschwung. Friedrich errichtet der Legende nach das Goldene Dachl, um zu demonstrieren, dass er gut bei Kasse ist.

Hundert Menschen

In den Weiten des hinteren Ötztals, auf über hundert Quadratkilometern, leben heute noch immer wenig mehr als hundert Personen. Große Teile der Landschaft werden heute noch so bewirtschaftet wie vor 600 Jahren, zur Zeit Friedls. Das Niedere Tal weist heute noch immer keine erkennbaren Spuren des 21. Jahrhunderts auf. Es wirkt aus allen Blickwinkeln als authentische Kulisse von Friedls Flucht über den Alpenhauptkamm. Diese Kulisse verweilt in sich, der Zuschauer durchwandert sie. FRIEDL sah im Jahr 1415 dieselbe Schlucht, denselben tosenden Wildbach. Schafe und Haflinger Pferde sind heute wie damals die am häufigsten anzutreffenden Lebewesen im Niederen Tal. Der Weg führt die Theatergruppe in mehreren kurzen Etappen von den Rofenhöfen – Österreichs höchstgelegener Hofsiedlung auf 2011 m – über die Hängebrücke und entlang des Fußweges durch das Niedere Tal hinauf. An besonders aufgeladenen Stellen, an der prähistorischen Steinhöhle, an Aussichtspunkten unterhalb der Gletscherzungen von Diem-, Schalf-, Mutmal- und Marzellferner sind Haltepunkte für Rast und Inszenierung. Ziel des Wandertheaters ist die neue Samoar Hütte (Martin Busch Hütte). Der Weg ist bestens ausgebaut und mit leichten Wanderschuhen auch für weniger sportliche Zuschauer gut zu bewältigen.

Friedl mit den leeren Taschen

Friedl mit den leeren Taschen (c) Ötztal Tourismus

Fernhören

Das Nahe wird fern wirken, das Ferne sehr nahe, und woher kommt der Ton? Die Szenen dieses Wandertheaters spielen entlang des Weges ganz in der Nähe oder in weiter Entfernung, unabhängig von ihrer Wichtigkeit, Präsenz und Eindringlichkeit. Stets sind die Zuseher bei den intimen Dialogen und Vorgängen dabei, wie Götter, die die Menschen bei allem beobachten, ohne selbst erkannt zu werden. Ausgestattet mit miniaturisiertem Equipment, sind die Mitwanderer akustisch immer im Mittelpunkt des Auditoriums in der Naturkulisse. Film- und Theatermusik sind Bausteine, um eine unbewusste, emotionale Grundkonstellation aus Bild und Ton zu erzeugen. Hirtenlied und Motette, Herdentrieb und höfischer Tanz. „Friedl“, das Wandertheater, nützt beide Formen. Die Atmosphäre entsteht über die neuartige Funkübertragung im Kopf der Zuseher. Erzählung, gepaart mit zeitgenössischer Musik des 15. Jahrhundert, und Sprache: das originale Mittelhochdeutsch ist nur in Pointen präsent. Großteils wird mit authentischem, aber doch verständlichem Ötztaler Dialekt (wurde kürzlich als immaterielles Kulturerbe der UNESCO ausgezeichnet) und hochdeutsch gesprochen.

Spielzeit 9. bis 20. September 2015

In Szene gesetzt wird das Wandertheater von Regisseur Hubert Lepka und seinem Künstlernetzwerk lawine torrèn, das im Ötztal bereits das Gletscherschauspiel Hannibal verwirklichte. Am Ziel der Wanderung, auf der Martin Busch Hütte, setzt man sich zusammen. Die Teilnehmer, die Schauspieler und die einheimischen Mitwirkenden unterhalten sich über die Eindrücke, denn während der Wanderung überwiegt Stille.

Termin: September 2015 – tägliche Tageswanderungen

  • Preis: 29.- Euro pro Person | Jugendliche 19.- Euro
  • Gehzeiten: Reine Wanderzeit: ca. 2 1/2 bis zur Hütte, ca. 2 Stunden retour
  • 660 Höhenmeter, hin und retour ca. 19,5 km Strecke

Video FRIEDL mit der leeren Tasche

Bilder FRIEDL mit der leeren Tasche

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FRIEDL mit der leeren Tasche - ein Roadmovie zum Anfassen und Spüren. Zum Mitatmen und Erstaunt-Sein. „Friedl mit der leeren Tasche“ ist die berührende Freilichtinszenierung der Flucht von Herzog Friedrich IV. von Tirol 1416 durch das Ötztal.

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